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Gliederung:
1. Die Kapitalstrukturentscheidung
1.1 Das Condorcet-Paradoxon
1.2. Der Leverage-Effekt
1.3. Modigliani und Miller
1.4. Unternehmenswert bei Steuern
1.5. Der Multiplikatoransatz
1.6. Die Insolvenzordnung
1.7. Wert des Kreditrisikos
1.8. Fehlanreize bei Fremdfinanzierung
2. Hybride Finanzierungsinstrumente
3. Besondere Finanzierungsformen
3.1. Venture Capital
3.2. Public Private Partnerships
3.3. Forderungsverkauf
3.3.1 Factoring
3.3.2 Asset Backed Securities
3.3.3. Sub Pirme Crisis
3.4. Leasing
4. Going Public
4.1. IPO, Börsengang und Prospekthaftung
4.2. Underpricing: Das Rock Modell
4.3. Kapitalerhöhung, Operation Blanche
4.4. Das Dividendendiskontierungsmodell
4.5. Wachstum und Aktienwert
5. Börsenorganisation und Preisfindung
6. Investitionscontrolling
6.1. Weitzman und Osband-Reichelstein
6.2. Wie reizt man Manager zur Maximierung des NPV an?
6.3. Das Lücke-Theorem
7. Kapitalmarkteffizienz
7.1. Kapitalmarkteffizienz
7.2. Das Informationsparadoxon
7.3. Schlägt Dummheit Mittelmäßigkeit?
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Unmöglichkeit vollständiger Informationseffizienz

Falls auf den Kapitalmärkten strenge Informationseffizienz herrschen würde, könnte sich eine Situation ergeben, die unter der Überschrift "Informationsparadoxon“ bekannt geworden ist. Das Informationsparadoxon geht auf die beiden amerikanischen Professoren Grossman und Stiglitz zurück, die ihre Idee 1980 in einem Artikel veröffentlichten. Sie argumentieren, dass der Marktpreis im Gleichgewicht nicht alle verfügbaren Informationen vollständig widerspiegeln kann, da die Informationsbeschaffung mit Kosten verbunden ist.

Würde der Marktpreis alle verfügbaren Informationen vollständig widerspiegeln, dann hätten Investoren, die Informationen über Unternehmen beschaffen, keine Möglichkeit, mit Hilfe der von ihnen gesammelten Information eine Entschädigung für die Informationsbeschaffungskosten zu erwirtschaften.

Um ihre These zu verdeutlichen, modellieren die Autoren einen einfachen Kapitalmarkt, auf dem es nur zwei Anlageformen, ein sicheres und ein riskantes Wertpapier, und lediglich zwei unterschiedlich gut informierte Investorengruppen gibt: Während die informierten Anleger Informationskosten in Höhe von k aufbringen, um sich Informationen über den wahren Wert des Unternehmens zu beschaffen, gewinnen die uninformierten Investoren ihre Informationen lediglich aus dem am Kapitalmarkt zu beobachtenden Preis. Die Anzahl der informierten bzw. uninformierten Anleger im Gleichgewicht ergibt sich im Modell endogen.

Jeder Investor trifft seine Anlageentscheidung mit dem Ziel, den eigenen erwarteten Nutzen zu maximieren. Dabei ist eine Anlage in das sichere Wertpapier mit einem sicheren, zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung bereits bekannten Rückfluss verbunden, während die risikobehaftete Anlageform zu einem unsicheren Rückfluss führt. Im Gleichgewicht muss der erwartete Nutzen der informierten Anleger dem erwarteten Nutzen der uninformierten Anleger entsprechen, wenn man unterstellt, dass alle Akteure rational handeln. Andernfalls könnten einzelne Investoren ihren erwarteten Nutzen steigern, indem sie von einer Anlegergruppe in die andere wechseln. Falls beispielsweise der erwartete Nutzen der informierten Investoren größer als der der uninformierten wäre, würden vermehrt uninformierte die Kosten k aufbringen und zu informierten Investoren werden.

Je mehr uninformierte ihren Informationsstand durch die Aufbringung von k verbessern, desto kleiner wird der erwartete Nutzen der informierten Anleger. Das lässt sich durch zwei gleichgerichtete Effekte erklären, die bei einer größeren Anzahl informierter Anleger auftreten: Zum einen wird der Preis im Gleichgewicht informativer. Das führt dazu, dass die informierten Anleger, die gerade an Fehlbepreisungen "verdienen“, weniger von ihren privaten Informationen profitieren können. Zum anderen führt eine steigende Anzahl informierter Investoren zu einem sinkenden erwarteten Nutzen pro informiertem Anleger. Bei steigender Anzahl informierter Anleger ist - bildlich gesprochen - der Kuchen, den es zu verteilen gilt, kleiner und muss zudem auf eine größere Anzahl von Investoren verteilt werden. Im Gleichgewicht müssen daher beide Anlegertypen den gleichen erwarteten Nutzen haben.

Für den Grenzfall, dass das private Signal der informierten Anleger dem tatsächlichen Rückfluss des unsicheren Wertpapiers entspricht, da die beschaffte Information keine Restunsicherheit über den zukünftigen Kurs des riskanten Wertpapier übrig lässt, kennen die informierten Anleger den Rückfluss der riskanten Anlage mit Sicherheit. Sie handeln deshalb auf Basis ihrer privaten Information so intensiv, dass der Preis in diesem Grenzfall die private Information der informierten Anleger perfekt widerspiegelt. Hier tritt jetzt das berühmte Informationsparadoxon auf: Es besteht für keinen Anleger ein Anreiz mehr, sich zu informieren. Schließlich kann dieselbe Information auch ohne Aufbringung der Kosten k direkt über den sich einstellenden Preis erschlossen werden. Da sich die Informationsbeschaffung für niemanden lohnt, bleiben alle uninformiert, so dass der Preis die Information nicht widerspiegeln kann und es sich für mindestens einen Investor doch lohnt, die kostspielige Informationsbeschaffung durchzuführen. Es wird klar, dass für den Fall, dass die Information unverrauscht ist und den tatsächlichen Wert exakt wiedergibt, ein streng informationseffizienter Kapitalmarkt als Gleichgewichtszustand unmöglich ist.

Dieser Grenzfall ist jedoch mehr von theoretischem Interesse, da selbst informierte Anleger in der Realität die tatsächlichen Werte nie exakt kennen. Es ist also die Restunsicherheit der privaten Information, die einen stabilen Gleichgewichtszustand ermöglicht, in dem ein Teil der Investoren die Informationsbeschaffungskosten aufwendet, während sich die übrigen Anleger darauf verlassen, dass der Preis die vorhandenen Informationen adäquat widerspiegelt. Beide Gruppen sollten jedoch zumindest im Gleichgewicht, wenn sie rational sind, den gleichen erwarteten Nutzen haben. Es bleibt festzuhalten, dass das Informationsparadoxon nur eine akademische Spielerei ist, die jedoch zugegebener Maßen ganz lustig ist.

 

Kapitalmarkteffizienz | Schlägt Dummheit Mittelmäßigkeit?

 
Literaturverzeichnis
+ On the Impossibility of Informationally Efficient Markets
   
(Sanford J. Grossman, Joseph E. Stiglitz, 1980, The American Economic Review, Vol. 70, No. 3, S. 393-408)