Das Siegel-Paradoxon
Die Terminkurstheorie der Wechselkurserwartungen besagt, dass der Terminkurs gleich dem erwarteten Wechselkurs ist. Leider tritt hier ein Problem auf, das wir uns im Folgenden klar machen wollen. Denn die Terminkurstheorie der Wechselkurserwartungen kann nicht gleichzeitig aus Sicht der Inländer UND der Ausländer gelten. So viel erst einmal als Vorwarnung. Aber schön der Reihe nach: Der zukünftige Wechselkurs w1 ist unsicher. Das können wir uns relativ einfach mit einer drei Punkt Verteilung veranschaulichen. Jeder Wechselkurs vom Euro zum Dollar soll gleich wahrscheinlich sein:
Ich habe spaßeshalber auch gleich den jeweiligen Kehrwert des Wechselkurses aufgeschrieben, schließlich ist der Kehrwert ja jeweils der Devisenkurs, zu dem die Amis Euros kaufen. Es wird ja stets in beide Richtungen getauscht. Die Terminkurstheorie der Wechselkurserwartungen besagt nun, dass der Terminkurs dem erwarteten Wechselkurs entspricht:

In die andere Richtung wird der folgende Wechselkurs erwartet:

Wir erkennen deutlich, dass beide Erwartungswerte GRÖßER als eins sind, sie können also auf keinen Fall das jeweils Reziproke des anderen Erwartungswertes sein! Wenn t=E(w1) gilt, kann also NICHT gleichzeitig gelten, dass der Kehrwert des Terminkurses gleich dem Erwartungswert des Kehrwertes des Wechselkurses ist! Die Terminkurstheorie der Wechselkurserwartungen kann also NICHT gleichzeitig in beide Richtungen gelten! Hm. Woran liegt das? Was wir hier gelernt haben, ist das so genannte Siegel-Paradoxon. Offensichtlich ist die Terminkurstheorie der Wechselkurserwartungen so noch nicht ganz richtig und muss noch um Risikoprämien angepasst werden!
Die Terminkurstheorie kann nicht gleichzeitig aus Sicht der In- und der Ausländer gelten, da der Kehrwert des erwarteten Wechselkurses bei Unsicherheit nicht gleich dem erwarteten Kehrwert des Wechselkurses ist!
Hier im Zahlenbeispiel gilt:
und

Woran liegt das? Um diese Frage zu beantworten, betrachten wir zunächst den Wechselkurs und seinen Kehrwert als zwei eigenständige Zufallsvariablen:
und
Natürlich sind x und y nicht voneinander unabhängig. Ganz im Gegenteil: Der WK und sein Kehrwert sind negativ korreliert: Je höher x ist, desto niedriger ist y. Folgerichtig muss auch die Kovarianz zwischen x und y negativ sein:
Die Kovarianz ist definiert als:

Mit

ergibt sich:
Wir möchten verstehen, warum

Mit

gilt folglich:

Auch in unserem Zahlenbeispiel ist das Produkt der Erwartungswerte des Wechselkurses und seines Kehrwertes größer als eins:
Der sich ergebende Wert ist größer als 1 und wir erkennen, dass die Kovarianz hier -0,0365 beträgt.


Int. Fisher-Effekt | Zusammenfassung der Parit�ten ![]()









